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Wir sollten auch einmal nach China schauen

Albert Sachs
Albert Sachs
Entscheidende Entwicklungen in der Artificial Intelligence passieren dort, wo Europa meist nicht hinschaut: in China.

Der Westen leuchtet am AI-Himmel. Namentlich die USA. ChatGPT, Midjourney, Dall‑E und wie sich alle heißen, setzen die Leuchtpunkte. Fasziniert orientiert sich Europa in Richtung Westen und versucht verzweifelt mit der Entwicklung der Artificial Intelligence (AI) jenseits des Atlantiks mitzuhalten. Eine falsche Strategie mit vernebeltem Blick.

Es würde den EuropäerInnen durchaus gut anstehen, sich um 180 Grad zu drehen und den eigenen Blickwinkel in Sachen AI auch in den Osten, nach China auszurichten. Denn während wir Europäer fasziniert den US-Markt beobachten und beinahe jedes neue Tool der US-Giganten hyperventilierend kommentieren, läuft die Entwicklung in China mindestens genau so rasant ab. Das Land der Mitte ist in Sachen AI den USA vielleicht sogar einen, möglicherweise auch zwei oder drei Schritte voraus.

Die tapsigen Servier- und Serviceroboter von den Olympischen Spielen in China haben wir noch in Erinnerung. Viel von uns fanden sie süß, ein bisschen überflüssig und gerne haben wir uns über ihre Missgeschicke lustig gemacht. Möglicherweise haben sich diese Roboter sogar als unser Tech-Bild zu China in unsere Gehirne eingebrannt. Tatsächlich sind sie bestenfalls eine Spielerei, haben aber wenig mit dem AI-Machtanspruch Chinas zu tun. Denn dafür stehen eher Konzerne wie Alibaba, Baidu, Tencent und ZKE. Vor allem aber auch Huawei, das als Marke und Unternehmen auch in unseren Breiten ein Begriff ist.

Die chinesische Regierung hatte schon 2017 eine umfassende AI-Strategie beschlossen. Ein Jahr später meldeten chinesische Unternehmen 30.000 AI-Patente an. Über einzelne Städte und Regionen ergossen sich Milliarden-Euro-Beträge an Förderungen. Auch heute noch fließt viel staatliches Geld in den AI-Sektor.

Hinter Unternehmen wie Alibaba und Tencent stehen nicht einzelne Produkte, Plattformen oder Digital-Services, sondern ganze Ökosysteme an Dienstleistungen mit Wertschöpfungsketten, die permanent ausgeweitet und ständig mit neuen Services angereichert werden. Während wir in Europa beispielsweise noch mühsam unsere Kleidung über Onlineshops konfigurieren, stellen sich Chinesen vor einen Bodyscanner, der ein exakt auf ihre Maße angepasstes Einzelstück entwirft. Produziert, versandt und natürlich verrechnet von einer Tochterfirma der großen Digitalplattformen. Mit Bargeld wird – nicht nur in den großen Städten – kaum noch bezahlt.

„In einem Markt wie China ist Vieles möglich. Wenn man keine Menschenrechte hat, kann man relativ viel entwickeln“, meint Kim Dressendörfer, KI-Expertin bei IBM, im Oktober dieses Jahres beim „Tag der Marktkommunikation“ der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer (WKO) in Wien. Denn natürlich stehen die chinesische Administration und die Tech-Giganten des Landes auch für gigantische Datenkraken. Die gesammelten Daten werden selbstverständlich auch vielfältig genutzt.

Die Regierung will China zur Nummer eins der Welt bei der Artificial Intelligence machen. Bis 2030. Sie räumt diesem Plan daher ganz offiziell absolute Priorität ein. Doch vermutlich ist China längst die Nummer eins im AI-Sektor. Inoffiziell.

Der Westen leuchtet. Europa schimmert matt. China blinkt, funkelt und strahlt. In Europas blindem Rücken.

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