Du bist seit Kurzem Präsident der AMC. Welche inhaltlichen und strategischen Schwerpunkte möchtest du in deiner Amtszeit setzen?
Willy Lehmann: Die Austrian Marketing Confederation ist der Dachverband der sieben Österreichischen Bundesländer-Marketingclubs mit über 3.000 Marketern. Daraus ergeben sich drei zentrale Handlungsfelder: Erstens geht es um die Vernetzung, den Erfahrungsaustausch und die Unterstützung der Marketing-Organisationen und deren Mitglieder. Die Strukturen und die regionale Ausrichtung sind österreichweit sehr heterogen. Der MCÖ in Wien verfügt über die meisten Mitglieder und bietet jährlich über 50 Veranstaltungen und Weiterbildungsmöglichkeiten an, der MCL in Linz sowie MCG in Graz haben eine traditionell stark ausgeprägte Verbundenheit mit den Universitäten, MCS in Salzburg, MCT in Tirol und MCV in Vorarlberg sind Local Heroes für die Marketingbranche in ihren Bundesländern und I3 in Kärnten ist als Innovations-Netzwerk getragen von der Vision, Kärnten zu einem der bedeutendsten Innovationsräume Europas zu machen. Zweitens geht es um die internationale Vernetzung mit der European Marketing Confederation und den europäischen Marketing-Verbänden. Zertifizierungsprogramme wie der Senior Marketing Professional mit der Möglichkeit einen dem Namen nachgestellten SMP-Titel zu erwerben oder das frühzeitige Reagieren auf den EU AI-Act mit entsprechenden Zertifizierungsmöglichkeiten sind nur zwei Beispiele, die den Marketingverantwortlichen in Österreich weiterhelfen. Die Marketing-Agenda eine weltweite Marktforschung unter Marketern, die genau ersichtlich macht, wie die Position Österreichs im Vergleich zu anderen Ländern aussieht oder die Wahl des European Markerters of the Year stellen eine weitere Bühne dar, auf der sich das österreichische Marketing präsentiert. Drittens geht es um die Ausrichtung des Staatspreis Marketing. Hier ist es die Abstimmung mit dem Bundesministerium und die Einladung an alle österreichischen Marketer und Unternehmer, egal welche Unternehmens- oder Organisationsgröße sie repräsentieren, ihre Marketingleistungen zum Staatspreis, als höchste Auszeichnung der Republik, einzureichen. Für die Organisation der Staatspreis-Gala und des vorgelagerten Marketing Tages stehen mit AMC-Vizepräsident Maximilian Mondel von MOMENTUM Wien sowie MCÖ-Vizepräsident Niko Pabst von Freudenbringer zwei ausgewiesene Spezialisten für herausragende Marketing-Events zur Verfügung. Die Jury-Arbeit unter der Leitung von Universitätsprofessor Thomas Foscht von der Karl Franzens Universität Graz garantiert die höchste fachliche Expertise.
Wofür steht der AMC heute – und wie unterscheidet sich seine Rolle aus deiner Sicht von anderen Marketing- und Kommunikationsnetzwerken?
Lehmann: Die AMC ist kein Personen‑, sondern ein Verbandsnetzwerk. Unsere Mitglieder sind die sieben Marketingverbände Österreichs. Dadurch fungieren wir als nationale und internationale Drehscheibe für Wissen, Austausch und Positionierung. Mit dem Staatspreis Marketing stehen wir zudem im direkten Dialog mit Unternehmen, Organisationen und Institutionen aller Größenordnungen.
Der Staatspreis Marketing wird alle zwei Jahre vergeben. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für die Branche und für die Positionierung des AMC?
Lehmann: Awards und Auszeichnungen gibt es viele. Allein die Kommunikationsbranche verfügt mit zahlreichen Werbe- oder PR-Preisen über eine Vielzahl von Möglichkeiten daran teilzunehmen. Marketing ist jedoch bedeutend mehr als Kommunikation. Im Sinne der wissenschaftlichen Definition von Marketing als „marktorientierte Unternehmensführung“ geht es um die ganzheitliche Sichtweise des Unternehmens, seines Marktes, der Mitbewerber, der Bedürfnisse der Kunden über die Positionierung hin zu den klassischen Marketinginstrumenten. Wesentlicher Parameter ist hier der Unternehmenserfolg, der sich in konkreten Zahlen ausdrücken lässt. Gerade deshalb ist der Staatspreis Marketing etwas Besonderes: Für die Branche ein Herzeigen von Best Practices. Und für die AMC eine selbstbewusste Bühne der Österreichischen Marketing-Vorstände, Marketing-Geschäftsführer, MCOs und Marketingmitarbeiter.
Welche Änderungen oder Neuerungen im Vergleich zu den Vorjahren – etwa bei Kriterien, Kategorien oder dem Auswahlprozess – wird es beim kommenden Staatspreis geben?
Lehmann: Die Einreichung zum Staatspreis wurde vereinfacht, das Wording geschärft sowie eine klare Struktur der Einreichkategorien geschaffen: Einreichungen sind in sechs Haupt- und drei Sonderkategorien möglich nämlich Konsumgüter-Marketing, Investitionsgüter-Marketing, Dienstleistungs-Marketing, Marketing im Handel und E‑Commerce, Not for Profit Marketing, Internal Marketing und Employer Branding. Zusätzlich haben jene, die in einer der sechs Hauptkategorien eingereicht haben, die Möglichkeit, ihre Marketingleistungen in folgenden zwei Sonderkategorien einzureichen: Live Marketing & Event Marketing sowie Data Driven Marketing. Die dritte Sonderkategorie ist jene für Young Businesses. Hier können Start-ups, die nicht älter als fünf Jahre alt sind, zu einer um 50 Prozent reduzierten Gebühr, ihre Marketingleistungen einreichen. Um die Österreichweite Kompetenz des Staatspreises zu stärken, werden erstmals auch die beste Einreichung pro Bundesland gewürdigt. Ein weiterer starker Anreiz einzureichen.
Welche Impulse möchtest du mit deiner Präsidentschaft für die österreichische Marketing- und Kommunikationslandschaft setzen?
Lehmann: Starke Marketingorganisationen machen bessere Marketer. Internationaler Know-how-Transfer, wissenschaftliche Fundierung und der Austausch unter Praktikern stärken das Marketing in Österreich. Es geht um das Selbstverständnis der Branche marktorientierte Unternehmensführung ganzheitlich zu denken und die Unternehmensführungsfunktion als Kernaufgabe des Marketings zu verstehen, also nicht (nur) um Kommunikation. Kommunikation stellt verglichen mit einem Klavier eine Oktave – die um das hohe C – dar. Im Marketing kommt es aber vor allem um das Beherrschen aller 88 weißen und schwarzen Tasten an, um ein perfektes Konzert zu spielen.
Wie bereits vor zwei Jahren wird es vor der Verleihung des Staatpreis Marketing den sogenannten Marketingtag geben. Was darf man sich davon erwarten?
Lehmann: Am Nachmittag vor der Staatspreisverleihung findet in der Stage 3 in Wien der Marketingtag 2026 statt. Unter dem Motto „Zeitenwende im Marketing“ beleuchten zwei Bühnen die zentralen Herausforderungen für Marketingentscheider. Fachvorträge, Best Practices, Diskussionen und Networking bieten einen kompakten Blick auf die Zukunft des Marketings.
Jetzt hier für den Staatspreis Marketing einreichen – und zwar bis zum 6. März 2026.














