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Vom Jubelgesang zum Heulen

Albert Sachs
Albert Sachs
Ein neu eingerichtetes AI Advisory Board soll Österreichs Politik in Sachen KI beraten. Klingt noch ziemlich orientierungslos.

Die Politik ist in eigenartiges Feld. Sie will uns kleine Schritte als großen Wurf verkaufen. Meist mit kaum verhohlener doppelbödiger Intention. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Wieder einmal hat Österreichs Regierung ein KI-Maßnahmenpaket präsentiert. Zumindest Teile davon. Am Dienstag (12. Oktober) kündigte Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP) den Start der bereits einmal verlautbarten KI-Servicestelle an. Allerdings, ohne ein konkretes Datum zu nennen. Lediglich „die Vorarbeiten der Servicestelle für die Schaffung einer KI-Behörde“ sollen mit dem Inkrafttreten des AI-Acts der EU beginnen.

Konkreter war da schon die „Präsentation eines AI Advisory Board aus hochkarätigen KI-Fachleuten“, das künftig die „Politik bei Künstlicher Intelligenz“ beraten soll. Grundsätzlich eine sinnvolle und begrüßenswerte Einrichtung. Wären wir nicht im Österreich des Jahres 2023.

Mit Horst Bischof (TU Graz), Markus Fallenböck (Uni Graz), Walter Peissl (Akademie der Wissenschaften), Bernhard Moser (ASAI – austrian society for artificial intelligence), Clara Neppel (IEEE Technology Centre GmbH), Sabine T. Köszegi (TU Wien), Nikolaus Forgó (Uni Wien) und Carina Zehetmaier (Women in AI) ist das Beratungsboard prominent besetzt. Allesamt namhafte Expertinnen und Experten in ihrem Feld und auch ausgewiesene KI-Fachleute.

Und doch gilt es, hinter diese Liste einige Fragezeichen zu setzen. Beispielsweise taucht in diesem Gremium kein einzige/r PraktikerIn aus dem Digital- oder AI-Sektor auf. Kein einzige/r UnternehmerIn aus diesem Segment. Und schon gar nicht einer der führenden unabhängigen Köpfe aus der österreichischen AI-Szene, die sich sowohl praktisch als auch theoretisch intensiv mit der Artificial Intelligence auseinandersetzen. Namen gäbe es genug.

Zwar sind die Universitäten aus Wien und Graz gut vertreten. Aber was ist mit Linz? Dort soll eine neue Universität für Digitalisierung entstehen. Ein dazugehöriger Name oder auch nur ein/e VertreterIn der bestehenden Universität Linz fehlen ebenso wie Persönlichkeiten von den Fachhochschulen und HTLs. Obwohl gefühlt dort aktuell mehr zum Thema AI passiert als an den heimischen Universitäten. Auch eine Expertin oder ein Experte aus dem AIT – austrian institute of technology, wo sensationelle AI-Projekte entwickelt werden, hätte sich gut gemacht.

Dann ist da noch die Präsentation des AI Advisory Board selbst. Vorgestellt wurde das Ganze bei einer Kick-Off Veranstaltung. Eine simple Pressekonferenz reicht zu einem derartigen Zukunftsprojekt wohl nicht mehr? Abgesehen davon, dass es keinerlei Möglichkeit gab, diese Digitalisierungs-Veranstaltung per Livestream zu verfolgen.

Außerdem ein Kick-Off, bei dem die wichtigsten Protagonist:innen gänzlich fehlten. Auch mit keinen einzigen Sterbenswörtchen selbst vorkamen. Kein O‑Ton, kein inhaltliches Zitat, kein programmatisches Statement. Dafür durften VP-Medienministerin Susanne Raab die künftige KI-Servicestelle live kommentieren. Interessanterweise unter dem Label des Finanzministeriums – zumindest war das auf ihrem Sprechpult zu lesen. In der OTS-Aussendung kam dann auch noch ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Bereichssprecherin für Digitalisierung Eva-Maria Himmelbauer zu Wort. Sieht ein bisschen nach Vorwahlkampf aus.

Dazu passt dann auch, dass für das erste Halbjahr 2024 eine neue Version der österreichischen KI-Strategie angekündigt wurde. Außerdem ist Österreichs Vorreiterrolle in Sachen AI Advisory Board, wie seitens des Staatssekretariats suggeriert, auch nicht so grandios. Die UNO hat längst ihren “Advisory Body on Artificial Intelligence” vorgestellt, die EU-Kommission bereits vor Monaten ihren „CEPEJ Artificial Intelligence Advisory Body (AIAB)“ präsentiert. Sogar die USA haben ein „National AI Advisory Committee (NAIAC)“. In dem 25-köpfigen Gremium sitzen alleine fünf CEOs, zudem einige UnternehmensgründerInnen aus dem AI-Sektor sowie weitere AI-ExpertInnen aus der Wirtschaft – von Amazon bis IBM.

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