Süßer die Kassen der großen Medienhäuser nie klingen als zur Weihnachtszeit

Maximilian Mondel
Maximilian Mondel
Noch vor Weihnachten ereilt Österreichs Medienhäuser ein veritabler Geldregen. Vor allem den großen und etablierten Medien legt das Christkind einen fetten Batzen Geld unter den Weihnachtsbaum. Weil sie die Digitale Transformation so brav fördern.

Segensbringende Weihnachtszeit. Im Jahr des Herrn 2022 bringt Weihnachten aber nicht nur Segen, sondern auch Regen, und zwar Geldregen. Aber nicht für alle, sondern einen ausgesuchten und erlauchten Kreis an Medienhäusern, der der Medienbehörde RTR als besonders geeignet erscheint, „den Auf- und Ausbau des digitalen Angebots traditioneller Medien in der heimischen Medienlandschaft” voranzutreiben. Im Rahmen der Transformationsförderung stehen alleine heuer fette 53 Millionen Euro zur Verfügung . 

Wenn man sich als durchschnittlich begabter Kenner der Medienszene auf der entsprechenden Subseite der Website der RTR durchliest, wer da aller wofür gefördert wird und dieser Tage mit einer satten Überweisung rechnen darf, kann einem schon einmal das Punschhäferl aus Hand fallen. Aber hey, es ist Weihnachten, wir wollen an dieser Stelle keine Namen nennen. Schließlich gibt es so etwas wie Weihnachtsfrieden und den wollen wir einhalten. Aber ein paar Zuckerln wollen wir Ihnen liebe Leserin, lieber Leser, nicht vorenthalten. Ein Boulevardtitel erhält knapp 170.000 Euro für das Projekt „Förderung digitaler Qualitätsjournalismus”. Ein Zentralorgan einer Erzdiözese darf sich über 18.000 Euro für ein Projekt freuen, das ganz schlicht so heißt wie der Printtitel selbst. Ein regionales TV-Sendernetwork darf mit 102.000 Euro für das Projekt „Live-Untertitelung” rechnen. Das Portal eines reichweitenstarken Printtitels sackt für das Projekt „Österreich – damals und heute” 325.000 Euro ein. Und so weiter. Und so fort. Die RTR bietet unter dem oben genannten Link ein handliches Excel-Sheet an. Mein Tipp: Laden Sie sich das Excel-Sheet runter, gießen Sie sich einen Tee mit Rum ein (wahlweise ist auch ein Irish Coffee ratsam), machen Sie es sich vor Ihrem Rechner bequem und schmunzeln Sie über Summen, Projekte und Nutznießer.

Aber es ist nicht beileibe nicht lustig, sondern extrem bedenklich, wie die RTR gemeinsam mit Medienministerin Susanne Raab und der aktuellen Bundesregierung hier Geld ausgeschüttet hat. An junge, frische Medienprojekt wird nämlich kaum etwas ausgeschüttet, sondern nur an die etablierten und großen Medienhäuser, die sich beim Durchsehen der Liste den einen oder anderen lauten Lacher wohl nicht verkneifen können. Alle wurden sie bedacht. Mit riesigen Summen für Projekte, deren Sinn und Zweck für den Auf- und Ausbau des digitalen Angebots in Österreichs Medienlandschaft mit freiem Auge nur teilweise sichtbar ist. Aber natürlich hat man im Medienministerium Vorsorge getroffen und die Transformationsförderung primär für „traditionelle Medien in der heimischen Medienlandschaft” limitiert.

Und wer vermutet hätte, dass die vielen sogar mehrfach geföderten Medienriesen zwischen Bodensee und Neusiedlersee angesichts der über sie ergossenen Fördermillonen schweigen und genießen würden, der irrt gewaltig. Nein, über ihre jeweiligen Print- und Onlinemedien richten sie sich gegenseitig aus, wer aus ihrer Sicht zu viel Förderung bekommen hat und dass sie selbst eigentlich viel mehr bekommen hätte müssen und dass er eine oder andere Mitbewerber eigentlich ungeeignet ist, von der RTR gefödert zu werden. Dabei sagt doch der Volksmund so schön: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Spätestens wenn die Millionenbeträge auf den Konten eingetroffen sind, ist das Wehklagen und das gegenseitige Anpatzen von vor ein paar Wochen wieder vergessen. Außerdem hat man jetzt anderes zu tun: Nämlich die Förderanträge für die nächste Ausschüttung zu verfassen. Ob dann wieder spannende Projekte wie „Servererweiterung für digitale Infrastruktur”, „Selbständiges Denken”, „Big Data” oder „Basisdigitalisierung” dabei sind? Man wird sehen.

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