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© Melina Reisinger

Reinhard Schwarzinger (CCA CEO) mit den FH St. Pölten Studentinnen Jacqueline Doninger und Melina Reisinger

Reinhard Schwarzinger, Creativ Club Austria: „Ich sehe KI-Tools als Vorteil, nicht als Risiko.“

Reinhard Schwarzinger, Geschäftsführer des Creativ Club Austrias (CCA) spricht im Interview über den CCA, den Status quo des Digitalmarketing sowie die „Fair Work“-Initiative.

Vor Ihrer Arbeit beim CCA haben Sie beim ORF gearbeitet. Warum haben Sie dann gewechselt und was sind nun Ihre täglichen Aufgaben?

Reinhard Schwarzinger: Ich war in Summe zehn Jahre beim ORF, davon die meiste Zeit bei der ORF Enterprise, der Werbezeitenvermarktung des ORF. Nach zehn Jahren braucht man einen Tapetenwechsel. Es kam dann das Angebot vom CCA, dem Creativ Club Austria, die Vereinsleitung zu übernehmen und das war spannend. Ich mache dort alles vom Mitgliedermanagement bis hin zu den Marketingmaßnahmen, zu den Events, zum Personal, zu den Projektmanagern, zu den Praktikanten bis hin zur ganzen Kommunikation, Planung, Budget und natürlich unseren Venus-Award. Das läuft alles über meinen Tisch, natürlich immer gemeinsam mit dem Vorstand. Wir bringen seit 1972 einmal im Jahr das CCA Jahrbuch heraus, worin die Gewinner und die Preisträger vom Award stehen. Die Ausgabe aus dem Vorjahr umfasst ungefähr 700 Seiten.

Das Gehalt ist ein wesentlicher Motivationsfaktor im Job. Welche weiteren Punkte fallen Ihnen ein, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu verbessern? 

Schwarzinger: Wer behauptet, er arbeitet nur aus Spaß, sagt wahrscheinlich nicht die Wahrheit, zumindest in meinem Fall. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Bei uns handhaben wir es so, dass man seinen Arbeitstag selbst gestalten kann, solange Deadlines eingehalten werden. Für die neue Arbeitsgeneration ist Geld nicht mehr die Priorität, vielmehr Sinn und Selbstbestimmung. Ich finde es gut, aber es muss sich trotzdem mit den Rechnungen ausgehen.

In der „Fair Work“-Studie stand, dass die Hälfte der unter 34-Jährigen bereits sexuelle Übergriffe in der Kreativbranche wahrgenommen haben. Was könnte deiner Meinung nach dagegen unternommen werden oder habt ihr persönlich auch Präventionsmaßnahmen gesetzt?

Schwarzinger: Wir hatten letztes Jahr einen Workshop, in dem von 20 TeilnehmerInnen rund 16 Frauen waren. Eine Frage kam in diese Richtung: Wer hat schon mal sexuelle Übergriffe beziehungsweise Belästigung erfahren? Da haben alle Frauen in dem Raum die Hand gehoben. Das hat mich persönlich schon sehr überrascht und schockiert. Wir haben bei diesem Termin auch diskutiert, was wir als Verein machen könnten. Wie beispielsweise eine Ombudsstelle, dass man sich bei uns melden kann. Aber wird das denn dann überhaupt in Anspruch genommen? Also eigentlich müsstest du eine übergeordnete und neutrale Stelle einführen, mit genügend Know-how und Expertise. Das würde ich mir persönlich nicht zutrauen.

Inwiefern nutzt der CCA bereits KI-Tools?

Schwarzinger: KI ist überall dabei. Ich sehe es mehr als Vorteil anstatt als Risiko. Ich glaube jetzt nicht, dass wir alle Angst haben müssen, dass die Jobs weg sind. Sie werden sich verändern, aber es kommt doch jedes Jahrhundert eine technische Revolution. Wir, in unserer Branche, müssen uns anpassen und umso wichtiger ist der Stellenwert der kreativen Leistung. Das muss trotzdem immer noch wer machen und korrigieren, sonst hast du einen „Einheitsbrei“ draußen. Die ganzen KI-Modelle, die es jetzt gibt, müssen und werden noch verbessert.

Welche Anforderungen muss die Kreativbranche durch die schnell wachsenden Digitaltrends erfüllen? Was, glauben Sie, sind die aktuellen Trends, ausgenommen von KI und Digitalisierung?

Schwarzinger: Das war schon immer das, was die Branche ausgemacht hat. Die Neugierde und Offenheit und keine Angst haben vor technischen Möglichkeiten und Errungenschaften. Du musst mit deinem relevanten, authentischen und maßgeschneiderten Content aus dieser Masse herausstechen, weil überall wirst du zugeballert mit Kommunikation. Du musst persönlicher und direkt kommunizieren. Es ist immer die Frage: Passt es und was kommunizierst du darüber?

Zu den Venus Awards: Was macht für Sie eine gute, kreative Idee für eine Werbung aus. Was war für Sie die beeindruckendste Einreichung, die Ihnen im Kopf geblieben ist?

Schwarzinger: Es muss dich fangen, fesseln, in irgendeiner Art und Weise emotional berühren, das kann was Lustiges oder Niedliches sein oder was einem zum Nachdenken bringt. Also die beeindruckendste Einreichung heuer war auf jeden Fall von Jung von Matt Donau für Burger King „Normal oder mit Fleisch?“. Vegan ist das neue Normal. Im Grunde so einfach mit einer Frage. Es sind aber viele tolle Sachen draußen und das ist jetzt nur ein Beispiel.

Internet Austria berichtet in Zusammenhang mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH ST. Pölten. Dieser Artikel wurde von Jacqueline Doninger und Melina Reisinger verfasst.

Online Redaktion

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