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© Pexels

Ö3-Jugendstudie 2023: Knapp ein Drittel der Jugend will Influencer werden

Die (Vor-)Urteile über die GenZ sind so zahlreich wie vernichtend: "Alle sind faul, arrogant, ignorant, empfindlich, unmotiviert, schwach, naiv, verwöhnt…!" Oder sind sie einfach anders? Neu? Game-changing? Die Antworten hat die Ö3 Jugendstudie 2023.

Vier Wochen lang waren alle gefragt – und jetzt präsentiert Hitradio Ö3 die Ergebnisse der Ö3-Jugendstudie 2023: Inside GenZ – insgesamt rund 40.000 TeilnehmerInnen geben in der Ö3-Jugendstudie 2023 aufschlussreiche Einblicke, wie die junge Generation des Landes ihr Leben und die Welt sieht. Und surprise: Nicht alle schwärmen von „Work-Life-Balance“, nicht alle sind KlimaschützerInnen, nicht alle sind woke, nicht alle wollen InfluencerInnen werden, nicht alle schlafen mit allen usw. Die große Revolution gegen alle bisher gültigen gesellschaftlichen Normen und Werte findet also nicht statt. Aber: Die 16–25-Jährigen bauen ihre eigene Welt, und zwar ganz individuell.

Short Facts

  • gerne Influencer/in, Blogger/in oder E‑Sportler/in werden möchten 32 Prozent
  • die Lehre im Trend sehen 73 Prozent
  • bereit, auch am Wochenende zu arbeiten, wären 83 Prozent
  • mal ganz unverbindlich mit Freund/innen schlafen 7 Prozent
  • dass beim Essengehen der Mann zahlen sollte, finden 24 Prozent
  • irgendwann Kinder hätten gerne 62 Prozent
  • die Ehe (oder Verpartnerung) als Lebensziel sehen 67 Prozent
  • „Psychische Probleme zu haben“ bewerten 36 Prozent immer noch als Tabuthema
  • Druck in der Schule belastet 54 Prozent
  • die weltweiten Krisen bereiten 57 Prozent Angst
  • Beautyfilter als echtes Problem sehen 81 Prozent
  • „Political Correctness“ nervt 46 Prozent
  • einen fixen Veggie-Day in Kantinen gut finden 58 Prozent
  • als nächstes Auto einen Verbrenner kaufen werden 65 Prozent
  • für gleiche Chancen von Mann und Frau sind 96 Prozent

Nach Jahren der multiplen Krisenerfahrungen, der Unsicherheiten, der mangelnden Planbarkeit von Bildungs- und Arbeitskarrieren, des Alltags und generell des Lebens denkt und handelt die GenZ sehr pragmatisch und bedürfnisorientiert. Sicherheit und Klarheit fürs eigene Leben stehen weit vorne, der „Traum von einer besseren Welt“ bestimmt nicht das alltägliche Handeln. Dieser Fokus aufs eigene Leben ist aber nicht als purer Egoismus zu werten, sondern als Erkennen des eigenen Wertes und der eigenen Werte – und die lassen auch Spielraum für gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklung.

Die zentralen Ergebnisse der Ö3-Jugendstudie 

Sicherheit, Sinn und Vereinbarkeit stehen ganz oben auf der Liste jener Rahmenbedingungen, die sich die GenZ für ihr Berufsleben wünscht: Ein sicherer Arbeitsplatz ist für drei Viertel (76 Prozent) sehr wichtig, ebenso viele (75 Prozent) wollen jedenfalls etwas Sinnvolles tun. Neben der Arbeit soll außerdem genug Zeit für andere wichtige Dinge bleiben (66 Prozent). Daher sind auch flexible, an die jeweiligen Lebensumstände anpassbare Arbeitszeiten für die Mehrzahl der jungen Menschen unerlässlich (59 Prozent). Im Gegensatz dazu sind ein von Sicherheit und Sinn abgekoppeltes Viel-leisten oder ein hohes Einkommen weniger relevant (für 29 Prozent bzw. 38 Prozent sehr wichtig).

Anpassung des Arbeits- an das Privatleben

Vereinbarkeit ist in ihren Vorstellungen von „wie soll Arbeit“ ganz weit oben. Neben flexiblen Arbeitszeiten umfasst dies auch die Vier-Tage-Woche, rund zwei Drittel der jungen Menschen sprechen sich dafür aus. Anpassung ist jedoch keine Einbahnstraße: Für etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der GenZ ist es völlig in Ordnung, in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten, wenn ihr Beruf dies erfordert. Weitere 28 Prozent sind von solchen Arbeitszeiten zwar nicht begeistert, für ihren Traumberuf würden sie diese aber in Kauf nehmen.

Digitalisierung? Nicht ohne mein Smartphone, aber…

Treten ihre Großeltern den Gang zur Toilette noch mit der Zeitung an, nehmen 8 von 10 junge Menschen ihr Handy mit aufs Klo. Dass Digitalisierung inzwischen sämtliche Lebensbereiche betrifft, sieht die überwiegende Mehrzahl (72 Prozent) der GenZ positiv: Vieles wird dadurch einfacher und digitale Gadgets sind unverzichtbarer Teil bzw. Ausdruck eines smarten Lebensgefühls. Im Gegensatz dazu stehen für knapp drei von zehn (28 Prozent) die negativen Seiten der Digitalisierung im Vordergrund – sie betonen die zunehmende Komplexität und Vereinsamung.

Die Schule? Lernt am Leben vorbei…

Anschließend an die u.a. mit der Digitalisierung verbundenen Umbrüche unserer Lebens- und Arbeitswelten braucht es aus Sicht der GenZ auch eine andere Schule: 69 Prozent von ihnen denken, dass sowohl die Lehrpläne als auch die Art des Lernens den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. In jedem einzelnen Kopf jenes Wissen zu sammeln, das auch jederzeit online
verfügbar ist, hat für die GenZ kaum Mehrwert. Gerade weil alle Arten von Informationen ständig verfügbar sind, sollte vielmehr gelernt werden, wie diese zu bewerten sind und wie relevante Zusammenhänge erkannt werden können.

Beziehungsleben? Traditionell – mit einem vielfältigerem Mindset… In der GenZ sind die unterschiedlichen Arten zu sein oder zu leben angekommen: Dass z.B. sexuelle Orientierungen und Geschlechteridentitäten frei gelebt werden können, steht für die überwiegende Mehrzahl der jungen Menschen (84 Prozent) außer Frage. Ausgehend von einer neuen Vielfalt fallen ihre Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft dann aber eher traditionell aus: Zwei Drittel wollen heiraten, für 62 Prozent sind Kinder Teil eines gelungenen Lebens und rund die Hälfte denkt, dass Mütter, die kurz nach der Geburt wieder arbeiten gehen, eine Ausnahme bleiben sollten.

Der Traum von einer neuen, besseren Welt? Die Revolution bleibt aus…

Weit oben auf der Liste jener Themen, bei welchen die GenZ dringenden Handlungsbedarf sieht, steht der Klimawandel (77 Prozent). Beinahe ebenso weit verbreitet ist die sich daraus ergebende Forderung an die Politik, endlich Regeln für nachhaltige Veränderungen festzulegen (68 Prozent). Solange dies nicht passiert, bleibt allerdings auch in der GenZ einiges beim Alten: Neun von zehn wünschen sich ein Eigenheim, zwei Drittel wollen einen Benziner kaufen und 62 Prozent sprechen sich gegen weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen aus. Muss sich die GenZ zwischen political correctness sowie wokeness auf der einen und cancel culture auf der anderen Seite entscheiden, spricht sich rund die Hälfte für eine inklusive Sprache und ein engagiertes Auftreten gegen Diskriminierung aus. Die andere Hälfte betont, dass anderen nicht vorgeschrieben werden sollte, was sie sagen und tun sollen.

Politikverdrossen? Nein, aber…

Anteil am Geschehen in der Welt zu nehmen ist für die GenZ selbstverständlich: 84 Prozent von ihnen verfolgen die aktuellen Nachrichten, um informiert zu bleiben und um sich eine eigene Meinung zu bilden. Etwas enger gefasst, interessieren sich zwei Drittel der jungen Menschen auch für Politik und politische Prozesse – ein beträchtlicher Anteil, denn die Distanz zwischen der GenZ und der Politik ist groß: Von der Politik vertreten fühlen sich nur 15 Prozent. Zu wenig gehört fühlt sich die GenZ auch von den älteren Generationen: Nur 29 Prozent der jungen Menschen denken, dass die Älteren für ihre Meinungen und Lösungsansätze aufgeschlossen sind.

Nach Jahren der multiplen Krisenerfahrungen und fehlenden Planbarkeit handelt die GenZ bedürfnisorientiert und pragmatisch. Sicherheit, Klarheit und Sinn im eigenen Leben stehen weit vorne, der „Traum von einer besseren Welt“ bestimmt nicht das alltägliche Handeln. Dieser Fokus auf das eigene Leben ist jedoch kein purer Egoismus, sondern ein Erkennen des eigenen Wertes und der eigenen Werte – und eben diese eröffnen auch Spielraum für gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklung.

Die Ö3-Jugendstudie 2023: Alle Ergebnisse hier zum Durchklicken.

Elisa Krisper

Elisa Krisper

Chris Budgen

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