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© Reichl und Partner eMarketing GmbH

Matthias Reichl, CEO von REICHLUNDPARTNER Digital

Matthias Reichl, REICHLUNDPARTNER Digital: „Die Medien ändern sich, aber die guten Ideen bleiben.“

Matthias Reichl ist seit 2021 Geschäftsführer von REICHLUNDPARTNER Digital. Im Interview spricht er über ein bemerkenswertes Projekt, den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Kreativbranche und die Vorteile, Teil einer großen Agenturgruppe zu sein.

Herr Reichl, da Ihre Agentur Teil des REICHLUNDPARTNER Agenturnetzwerks ist: Wo sehen Sie die Vorteile, einer großen Agentur anzugehören?

Matthias Reichl: Unser eindeutiges Alleinstellungsmerkmal ist die umfassende Ressourcenvielfalt. Tatsächlich glaube ich, dass in Österreich kaum jemand behaupten kann, alles inhouse anbieten zu können. In unserem Unternehmen haben wir 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine breite Palette an Charakteren aus verschiedensten Nationalitäten repräsentieren. Wir sind stolz auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis sowie die Tatsache, dass sowohl Deutsch als auch Englisch unsere Hauptsprachen sind. Wir haben KollegInnen im Alter von über 55 Jahren, ebenso wie sechzehnjährige Praktikanten und Studenten. Diese vielfältigen Erfahrungen und Perspektiven ermöglichen uns, sämtliche Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten. Unser Team verfügt über eine enorme Work-Power, was bedeutet, dass wir in der Lage sind, Kampagnen in wenigen Wochen umzusetzen, während andere Monate benötigen würden. Darüber hinaus sind wir überzeugt, dass wir außergewöhnliche kreative Arbeit leisten. Kreativität ist unerlässlich, denn sie erstreckt sich weit über das Erstellen von Logos oder die Wahl von Farben hinaus. Kreativität beinhaltet Kreativstrategien, das Ansprechen und Berühren der Menschen sowie das Wecken von Emotionen. Wir sind groß, aber dennoch klein genug, um eine persönliche Betreuung zu bieten. Unsere Kunden sind vielfältig und reichen von kleinen Start-ups, von mittelständischen Unternehmen bis hin zu Konzernen. Wir schätzen die Potenziale unabhängig von der Höhe des Budgets. Solange es sinnvoll ist und Spaß macht, sind wir dabei.

Ihre Agentur konzentriert sich auf digitales Marketing für REICHLUNDPARTNER. Was begeistert Sie am meisten an digitalen Umsetzungen?

Reichl: Es gibt mehrere Faktoren, die mich an digitalen Umsetzungen faszinieren. Erstens die Personalisierung – die Fähigkeit, Inhalte auf individueller Ebene anzupassen. Dies bedeutet, dass wir Menschen persönlich ansprechen können, vorausgesetzt, wir verfügen über die erforderlichen Daten. Wir können nicht nur den Namen verwenden, sondern auch Interessen berücksichtigen. Darüber hinaus können wir personalisierte Webseiten erstellen, auf denen Bilder und Produkte in individueller Reihenfolge angezeigt werden. Zweitens die Frequenz, die durch digitale Kampagnen erzielt werden kann. Ein Klick auf eine Instagram-Anzeige kann dazu führen, dass man sich wochenlang von den gleichen Inhalten begleitet fühlt. Dies erstreckt sich über verschiedene Medien hinweg, von Google Ads bis zu programmatischer Werbung auf verschiedenen Online-Plattformen. Dieses nahtlose Zusammenspiel der Werbung und die Art und Weise, wie sie die Menschen erreicht, ist äußerst interessant. Der dritte Punkt ist das Cookieless-Tracking, das es ermöglicht, Daten datenschutzkonform zu sammeln. Diese Daten können effektiver analysiert und genutzt werden. Mit Hilfe von Clustering-Techniken können wir im Remarketing potenzielle Kunden gezielter ansprechen und sogar ähnliche Zielgruppen erstellen, die sich auf verschiedene Länder übertragen lassen. Dies ist ein äußerst beeindruckender Aspekt des digitalen Marketings.

An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Reichl: Ja, ich arbeite an einem Projekt namens MedYouCate, das eine E‑Learning-Plattform für Studenten und Chirurgen ist. Wir nennen es auch das Netflix oder LinkedIn für Chirurgen. Langfristig soll es für die gesamte medizinische Zielgruppe zugänglich sein. Die Plattform dient dem Wissensaustausch, der gemeinsamen Forschung, der Diskussion von medizinischen Fällen und dem Aufbau einer Community. Darüber hinaus bietet MedYouCate Content Creators die Möglichkeit, Inhalte bereitzustellen und Einnahmen aus Klickprämien zu erzielen. Kliniken können die Plattform auch als Jobportal oder zur internen Fortbildung nutzen. Ich schätze dieses Projekt besonders, weil es in Bezug auf das Marketing äußerst skalierbar ist. Wir haben es entwickelt, programmiert, das Design erstellt und betreiben das Social Media Advertising dafür. Wir sind auf verschiedenen Plattformen wie TikTok, YouTube und Reddit aktiv, da die akademische Community oft andere Kanäle nutzt als der Durchschnittsnutzer. Dieses Projekt hat das Potenzial, zum führenden Anbieter in der Nische der medizinischen Bildung zu werden, was sehr beeindruckend ist.

Welchen Stellenwert wird künstliche Intelligenz Ihrer Meinung nach in der Kreativbranche künftig haben?

Reichl: Künstliche Intelligenz ist zweifellos ein Trend, der nicht nur vorübergehend ist, sondern in der Kreativbranche von bleibender Bedeutung sein wird. Im Gegensatz zu Trends wie NFTs und der Blockchain-Hype betrachte ich KI als eine langfristige Entwicklung. KI wird zwar oft als aktueller Trend bezeichnet, aber tatsächlich nutzen wir derzeit hauptsächlich maschinelles Lernen und große Sprachmodelle. Diese Technologien sind äußerst faszinierend und leistungsfähig, stellen jedoch noch keine echte künstliche Intelligenz dar. Der Begriff KI repräsentiert unsere Vision, und ich bin fest davon überzeugt, dass KI in der Kreativbranche eine dauerhafte und prägende Rolle spielen wird.

Welche KI-Tools verwenden Sie bereits in Ihrem Agenturalltag und wie werden diese eingesetzt?

Reichl: In unserer Agentur nutzen wir bereits verschiedene KI-Tools. Ein großes Problemfeld ist nach wie vor das Urheberrecht, insbesondere im Zusammenhang mit der Generierung von Bildern und Texten. Image Generation spielt eine entscheidende Rolle, und es gibt mittlerweile Lösungen, die es ermöglichen, Stockbilder zu generieren. Statt stundenlang in Bildarchiven zu suchen, können unsere Grafikdesigner durch Eingabe von Vorgaben das gewünschte Bild erzeugen. Auch die Generierung von Texten basierend auf großen Datenmengen gehört zu den Einsatzmöglichkeiten. Über die Jahre haben wir umfangreiche Kundendaten gesammelt, die wir nützen, um eine KI zu trainieren. Diese KI kann in unserer Marken- und Werbesprache schreiben. Ebenso ist die Verwendung von KI-Tools für die Sprachsynthese von großer Bedeutung, insbesondere für Synchronisierungen in Videos. Für die Generierung von Erklärvideos mit 3D-Avataren nutzen wir beispielsweise Synthesia, und für die Erstellung von Stockvideos ist Runway.ml ein beeindruckendes Tool. Nicht nur auf der Content-Seite, sondern auch im Vertrieb bieten KI-Tools bereits wertvolle Funktionen.

Welche Herausforderungen hat die Einführung dieser neuen Technologien mit sich gebracht?

Reichl: Ein wesentlicher Herausforderungsbereich ist die Emotion und Empathie. Am Anfang wissen wir oft nicht genau, welche Ergebnisse KI-Tools liefern werden. Man gibt Anweisungen ein, ähnlich wie bei einer Google-Suche, und manchmal kommen Ergebnisse heraus, die unerwartet sind. Wenn beispielsweise KI-Modelle menschliche Figuren generieren, können anatomische Details fehlerhaft sein. Es fehlt der KI oft der Kontext, um emotional angemessene Ergebnisse zu erzielen. KI basiert auf Fakten und Rationalität, und wenn der Kontext nicht präzise definiert ist, können unangemessene oder langweilige Ergebnisse erzeugt werden. Es besteht auch das Risiko, dass KI-Tools unbewusste Vorurteile oder Geschlechterungleichheiten aus den vorhandenen Daten übernehmen, da sie auf bestehenden Informationen basieren. Daher ist es unerlässlich, bei der Verwendung von KI-Tools auf deren emotionale Intelligenz und Verständnis für gesellschaftliche Normen zu achten.

Wo sehen Sie Ihre Agentur in den nächsten fünf bzw. 15 Jahren?

Reichl: Die Entwicklungen der nächsten fünf Jahre werden zweifellos gravierend sein. Wir werden uns noch stärker auf die Bedürfnisse unserer Kunden konzentrieren und noch kreativere und zielgerichtetere Ideen entwickeln müssen. Alles, was wir in den letzten 35 Jahren erreicht haben, muss um mindestens 350 Prozent verbessert werden. Kreativität wird weiterhin von großer Bedeutung sein und in enger Verbindung mit strategischer Planung stehen. Die Branche wird komplexer, und der Bedarf an Beratung wird weiter steigen. Wir werden auch effizientere Arbeitsmethoden entwickeln können. Ich bin jedoch überzeugt, dass KI die Agenturbranche in den nächsten fünf Jahren nicht ersetzen wird. Wenn echte KI-Systeme entwickelt werden, könnte sich dies natürlich ändern. In 15 Jahren ist schwer vorherzusagen, wie sich die Agenturlandschaft entwickeln wird. Eine Sache ist jedoch sicher: Das Medium ändert sich, aber die guten Ideen bleiben. Die Medien können sich ändern, aber kreative Ideen werden von zeitloser Bedeutung sein. Wir müssen in den kommenden fünf Jahren noch bessere Ideen entwickeln als heute und in 15 Jahren noch bessere Ideen als in den fünf Jahren zuvor.

Internet World Austria berichtete in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH St. Pölten. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Carmen Burgstaller und Ruth S. Lupulescu geführt.

Online Redaktion

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Chris Budgen

„Chatter” von Ethan Cross

Der renommierte Psychologe Ethan Kross verschränkt für sein international vielbeachtetes Buch seine eigenen bahnbrechenden Forschungsergebnisse aus Verhaltens- und Hirnforschung mit zahlreichen Fallstudien aus der Praxis.