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Birgit Altrichter

„Kommunikation ist digitaler geworden und dadurch interaktiv und schnelllebig.“

Birgit Altrichter, Director Communication Consultant bei Dentsu Austria, beschäftigt sich an der University of Surrey in England zudem mit Konsumentenverhalten in der digitalen Wirtschaft. Im Interview spricht sie über die Entwicklung der Kommunikationsbranche.

Frau Altrichter, neben Ihrer Tätigkeit bei Dentsu Austria, absolvieren Sie Ihr Doktoratsstudium. Dentsu fungiert laut eigenen Angaben als Vernetzung zwischen Medien‑, Marketing- und Kommunikationsagentur. Inwiefern macht sich diese Vernetzung im Agenturalltag bemerkbar.

Birgit Altrichter: Dentsu Austria ist ein sehr großes internationales Agenturnetzwerk. Wir haben Büros in über 140 Märkten und betreuen sehr viele internationale Kunden. Wir decken ein sehr breites Spektrum ab – von der kreativen Umsetzung der Kommunikationsstrategien bis hin zur operativen Abwicklung von Kampagnen. Die Vernetzung zeigt sich beispielsweise in den immer breiter werdenden Kundenbriefings und der zunehmenden Arbeit in Richtung der Geschäftsstrategie gemeinsam mit unseren Kunden.

Sie sind einerseits auf wissenschaftlicher Ebene, und andererseits im schnelllebigen Agenturalltag tätig. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für Ihren Arbeitsalltag.

Birgit Altrichter: Für mich ist dies, das perfekte Spannungsfeld, weil wir im akademischen Bereich mit einem ganz anderen zeitlichen Horizont arbeiten. In der Forschung arbeiten wir eher auf Publikationen auf wissenschaftlicher Ebene hin, währenddessen wir in der Agentur an Kundenbriefings arbeiten, die dann auch wesentlich schneller abgearbeitet werden. Ich bewältige in beiden Bereichen unterschiedliche Challenges und ich genieße es sehr, in beiden Welten unterwegs sein zu können. Auf wissenschaftlicher Ebene befasse ich mich auch mit Technologienutzung in Konsumentenkontexten und hier besteht auch eine Verknüpfung mit meinem Aufgabenbereich in der Agentur.

Der Schwerpunkt Ihres beruflichen Werdegangs liegt in der Kommunikationsbranche. Inwiefern hat sich der Kommunikationsbereich in den vergangenen Jahren verändert?

Birgit Altrichter: Die Kommunikation ist viel digitaler geworden und dadurch auch interaktiver und schnelllebiger. Die Digitalisierung wirkt sich meiner Meinung nach auf alle Bereiche aus. Aus Dentsu-Sicht kann man das zum Beispiel durch die Verschiebung der Werbebudgets in Richtung der digitalen Kanäle erkennen. Aber auch die individuelle, persönliche Kommunikation hat sich dadurch verändert. Corona war für viele Unternehmen der Anstoß, die Schwelle zur Digitalisierung zu überschreiten. Davor war das Homeoffice noch für viele unvorstellbar und jetzt sieht man, dass es in vielen Bereichen sehr gut funktioniert. Ich glaube, dass das weitreichende Auswirkungen in allen Bereichen hat, nicht nur geschäftlich, sondern auch für unser Privatleben.

Nachhaltigkeit ist ein derzeit – über alle Branchen hinweg – vieldiskutiertes Thema. Nehmen Sie dahingehende Veränderungen auch in der Marketing-Welt wahr?

Birgit Altrichter: Definitiv. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das mittlerweile alle Unternehmen in irgendeiner Form betrifft. Ich glaube auch, dass sich durch die Digitalisierung viel in diesem Bereich verändert. Früher war Nachhaltigkeit eher Nebensache und wurde im Marketingbereich oft im Sinne von „Green Washing“ missbraucht. Man darf auch nicht vergessen, dass Nachhaltigkeit immer drei Perspektiven hat: die Umweltperspektive, die ökonomische Perspektive und die gesellschaftlich-soziale Perspektive. Für Unternehmen stand in der Vergangenheit oft die ökonomische Perspektive im Vordergrund. Der Umschwung kam dann im Zuge der Digitalisierung, durch die schnelle Informationsverbreitung. Auch der Druck in Richtung der Unternehmen wächst und ich glaube, dass dadurch die Produkte und Services noch nachhaltiger werden und ihnen nicht nur oberflächlich ein grüner Stempel aufgedrückt wird.

Abschließend eine Frage zum Thema Artificial Intelligence: Wie wird sich AI zukünftig auf die Mediaplanung auswirken? Sehen Sie einen Unterschied zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der praktischen Anwendung im Agenturalltag?

Birgit Altrichter: Ja, von der Forschungsperspektive nähern wir uns diesem Thema anders an, als in der Agentur. Ich glaube, dass AI nicht nur Auswirkungen haben wird, sondern bereits welche hat, denn in Wahrheit sind wir schon von AI umgeben. Jeder, der eine Suchmaschine nutzt, greift auf Artificial Intelligence zurück. Auch viele Kundenservices gehen in Richtung AI und man kann oft nicht unterscheiden, ob man mit einem Menschen oder einem Chatbot schreibt. Meiner Meinung nach, wird sich die Nutzung von AI auch in Zukunft verstärkt in diese Richtung weiterentwickeln.

In Kooperation mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der Fachhochschule St. Pölten veröffentlicht Internet World Austria Interviews mit Experten aus der heimischen Marketing‑, Werbe- und Medienszene. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Nina Gumpenberger und Melanie Willim geführt. Das redaktionelle Coaching erfolgte durch die internetworld.at-Redaktion.