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© Jürgen Oberguggenberger

Jürgen Oberguggenberger, CCO von kraftwerk.

Jürgen Oberguggenberger, kraftwerk: „kraftwerk kann man nicht einfach in eine Schublade stecken.“

Jürgen Oberguggenberger fungiert als CCO bei kraftwerk. Im Interview plaudert er über das Unternehmen und die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen.

Was unterscheidet kraftwerk von anderen Unternehmen?

Jürgen Oberguggenberger: Wir sind sehr breit aufgestellt. Ein Consultingunternehmen, eine Werbe- und Digitalagentur, ein Technologieunternehmen und ein Datenperformer. Im Zentrum steht aber immer, etwas Neues zu kreieren, etwas Neues zu schaffen. Wir veranstalten kein PowerPoint Karaoke, sondern bringen die Sachen auf den Boden. Das oft über nicht herkömmliche Wege oder beispielsweise auch über schnelle Prototypen. Wir suchen die Challenge. Komfort-Zone ist nichts für uns. Wir haben Kunden in verschiedenen Sparten und die schätzen uns, weil es nicht um den schnellen One-Night-Stand geht, sondern um eine längere Geschäftsbeziehung. Manche unserer Kunden begleiten uns schon seit mehr als 25 Jahren. Zudem sind wir eine ziemlich gerade Partie und keine Schnösel. Und wir haben die richtigen Leute an Bord, denn schlussendlich ist es ein People Business.

kraftwerk beschäftigt sich auch mit neuen Geschäftsmodellen. Welche spezifischen Risiken sehen Sie bei der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells?

Oberguggenberger: Ja, wir entwickeln auch neue Geschäftsmodelle für unsere Kunden. Hier gibt es aber kein Patentrezept. Das ist je nach Unternehmen, Produkt und Service auch sehr unterschiedlich. Risiken? Na ja, jedes Unternehmen hat eine eigene Kultur. Bei der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen ist essentiell, alle Player ins Boot zu kriegen. Bei kraftwerk haben wir unterschiedliche Entry Points. Das kann oftmals auf „C‑Level“ erfolgen, über die Marketing- und Werbeabteilung oder über den IT-Bereich. Egal, wo man reingeht, du musst immer das Umfeld beachten und dass du alle im Unternehmen mitnimmst. Denn schlussendlich muss man ein neues Geschäftsmodell auch intern verkaufen. Und entwickelst du beispielsweise mit Marketing ein neues Geschäftsmodell, nimmst aber den Vertrieb oder Legal nicht mit, so kannst du gleich einpacken. Und das ist mittlerweile auch das Aufwändigste – sozusagen alle relevanten Player an einen Tisch zu bringen.

Inwiefern denken Sie wird künstliche Intelligenz zukünftige Kampagnen und Geschäftsmodelle beeinflussen?

Oberguggenberger: Massiv. Es wird personalisierter und die Inhalte und Maßnahmen werden automatisiert erstellt. Werbeausgaben werden optimiert und Datenanalyse wird effizienter und der Kundenservice gewinnt an Performance. Im Bereich der Kommunikation selbst wird es aber weiterhin einen Medienmix geben müssen – digital ist nicht alles. Man kann mit Digital zwar viel erreichen, aber wenn ich zum Beispiel eine neue Marke pushen möchte, dann kommen wir an klassischer Außenwerbung zum Beispiel nicht vorbei – vor allem wenn es um Sichtbarkeit geht.

Nutzen Sie KI auch in Ihrem Unternehmen?

Oberguggenberger: Ja. Einerseits intern. Das erhöht die Produktivität und inspiriert. Neben ChatGPT, Midjourney & Co. verwenden wir aber auch spezifische KI-Software – vor allem im Bereich der Kreation und IT. Andererseits implementieren wir selbst Software und Anwendungen, die auf KI basiert.

Auf der DMEXCO in Köln haben wir einen Vortrag gehört, in welchem gesagt wurde, dass der Großteil der Werbemaßnahmen trotz genauer Datenerhebung und Abstimmung der Zielgruppen nicht mehr so gut ankommt wie früher und der Großteil der Kommunikation nicht mehr dem Bild der Wirklichkeit entspricht. Was ist Ihre Meinung dazu?

Oberguggenberger: Wie schon erwähnt – es braucht einen vernünftigen Medienmix. Nehmen wir das Beispiel des werblichen Flugblattes des LEH. Also mich nervt es, wenn es meinen Postkasten zumüllt. Und trotzdem habe ich es nie abbestellt. Es gibt aber die ältere Generation, die auch eine wesentliche Zielgruppe ist. Die interessiert das Papierwerk wirklich, die haben keinen Laptop und die sind auch nicht auf Social Media oder digital z.B. per App unterwegs. Die schneiden sich die Aktionbons natürlich mit der Schere aus dem Flugblatt. Diese Zielgruppe kann man von Angeboten nicht ausgrenzen. Fakt: Man muss auf seine Zielgruppe schauen und dann den richtigen Mix finden.

Internet World Austria berichtet in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Marketing und Kommunikation der FH. St Pölten. Dieses Interview wurde im Zuge der Kooperation von Lara Soretz und Liv Begusch geführt.

Online Redaktion

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