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IT-HTLs lösen den Fachkräftemangel auch nicht

Albert Sachs
Albert Sachs
Die Forderung zur Gründung von IT-HTLs ist berechtigt, aber trotzdem falsch.

Die Forderung ist berechtigt. Der Aufschrei verständlich. Die Internetoffensive Österreich, der Branchenverband der führenden Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Österreich, appelliert an die Politik, Höhere Technische Lehranstalten (HTL) zu gründen, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen. Angeblich fehlen aktuell allein in der IT 30.000 ExpertInnen.

Der Interessenverband machte seine Forderung Anfang Oktober auf dem IKT-Konvent publik. Durch ein Public-Private-Finanzierungsmodell soll in jedem Bundesland eine IT-HTL entstehen, so einer der zentralen Punkte. Bis zu 3.000 AbsolventInnen pro Jahr sollten so für digitale Berufe zu gewonnen werden.

Gute Idee. Aber nur im Ansatz. Denn abgesehen, dass mindestens fünf Jahre ins Land ziehen, ehe der erste Absolvent, die erste Absolventin eine solche HTL verlassen würde, gibt es zahlreiche Punkte, die gegen dieses Lösungsmodell sprechen.

Allen voran sind es die existierenden HTLs. Dieser Schultypus zählt zweifellos zu den Erfolgsmodellen im österreichischen Schulsystem, sucht international nach Vergleichbarem. HTL-AbsolventInnen sind deshalb europaweit, vielleicht sogar weltweit im Arbeitsmarkt gefragt.

Einer der Erfolgsfaktoren der HTLs besteht auch in ihrer praxisorientierten Ausbildung. In der engen Zusammenarbeit von Lehre, Schule und Wirtschaft. In den HTLs unterreichten viele LehrerInnen, die selbst aus der Wirtschaft kommen, in der Industrie arbeiten (gearbeitet haben) oder auch ein eigenes Unternehmen führen.

Viele HTLs entstanden sogar aus den lokalen und regionalen Notwendigkeiten heraus, einen bestehenden, sich entwickelnden Arbeitsmarkt oder einen Industrie-Cluster mit gut ausgebildeten Fachkräften zu versorgen.

Der Erfolg vieler HTLs liegt auch darin begründet, dass sie meist eng mit der lokalen und regionalen, manchmal auch nationalen und internationalen Wirtschaft zusammenarbeiten. In vielen HTLs gibt es exzellente und auch für den Bestand der Schule und ihre Attraktivität substanziell wichtige Förder- und Kooperationsprogramme seitens der Wirtschaft. Sehr oft auf Initiative des Lehrpersonals entstanden.

Dennoch werden viele HTLs – neben den zu geringen Budgets aus dem staatlichen Topf – heute von einem gravierenden Mangel geprägt. Es fehlt in ausreichendem Maß an nachrückenden Schülerinnen und Schülern. Schlicht eine Folge der Demoskopie, der geburtenschwachen Jahrgänge.

Konnten und mussten HTLs in den 1970er und 1980er-Jahren den Zuzug an neuen SchülerInnen noch per Aufnahmsprüfung regulieren und einschränken, zeigt sich längst das umgekehrte Bild: Die Schulen werben aktiv um neue SchülerInnen.

Dennoch werden selbst in gut besuchten HTLs wegen des Schülermangels ganze Fachrichtungen gestrichen. Darunter beispielsweise die Elektrotechnik, die als Basis für viele technische Sektoren und Ausbildungen gilt.

Mehr HTLs führen also nicht zwangsweise zu mehr AbsolventInnen, sondern zu einer Umverteilung innerhalb der einzelnen Schultypen, der HTLs und der Fachrichtungen. Das Problem des fehlenden Nachwuchses und damit des Fachkräftemangels bleibt aus den bereits genannten demografischen Gründen virulent.

Dennoch: Lasst uns Schulen bauen. Investitionen in Bildung können nie falsch sein.

Persönliche Anmerkung: Der Autor ist selbst Absolvent einer HTL, schaffte Mitte der 1970er-Jahre nur knapp die Aufnahmsprüfung für die Fachrichtung Elektrotechnik, ist seiner Schule aber bis heute wohlwollend und freundschaftlich verbunden. Obwohl er beruflich eine ganz andere als die technische Laufbahn einschlug.

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