© Gallup

Andrea Fronaschütz

Gallup-Umfrage: Mediennutzung der Österreicher in der Corona-Krise

Laut Umfrage des Österreichischen Gallup Instituts setzen die Österreicher bei der Corona-Information auf ORF und Zeitungen, die Nutzung von Social Media ist rückläufig. Die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte steigt.

Beitrag teilen:

Andrea Fronaschütz, Geschäftsführerin Gallup: „Die Nutzerbindung steht in einem direkten Zusammenhang mit diesen Kriterien und weist eine weite Spreizung auf: sehr hohe Werte bei ORF und Servus TV, ebenso beim Regionalradio und Ö1. Bei den Zeitungen erreichen ebenfalls die Qualitätszeitungen hohe Werte, die Gratistitel liegen hingegen auf einem Niveau mit Social Media Plattformen.“
Gallup

Das Österreichische Gallup Institut hat die Haltung der Österreicher zu Relevanz von Journalismus und Medien für Corona-Information erhoben. Die Analyse zeigt, dass sich die Bevölkerung über Covid-19 noch besser informiert fühlt  (83 Prozent) als noch vor drei Wochen (77 Prozent). „Die Medien erfüllen in den Augen der österreichischen Bevölkerung ihre Informationsaufgabe umfassend“, so Meinungsforscherin und Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz.


Dementsprechend wenden die Österreicher mittlerweile weniger Zeit auf, um sich über COVID-19 auf den letzten Stand zu bringen. Waren es in den ersten Tagen des Shutdowns noch mehr als die Hälfte (53 Prozent), die zwei Stunden und mehr damit zubrachten, so waren es in den Tagen vor Ostern nur mehr 30 Prozent der Befragten. „Die vielen Stunden, die man sich mit dem Thema befasst hat, haben offenbar genützt: insbesondere bei den jüngeren Gruppen scheint der Informationsbedarf weitestgehend erfüllt zu sein. Man hat nicht mehr den Eindruck, permanent am Informationstropf hängen zu müssen, es stellt sich Routine ein“, erklärt Fronaschütz.

Medienimage und Stellenwert von Journalismus

Die Relevanz des Journalismus wird laut Umfrage hoch eingeschätzt, sowohl auf der persönlichen Ebene mit 73 Prozent als auch für die Gesellschaft mit 77 Prozent der Befragten. Ein kleiner Anteil (8 Prozent) steht den Journalisten prinzipiell negativ gegenüber. Die überzeugteste Anhängerschaft haben sie bei den Grün- (38 Prozent) – und NEOS-Wählern (37 Prozent). Die Zustimmung zur Feststellung, dass die Medien geholfen haben, die Gefahren zu erkennen und die Krise einzudämmen, steigt von einem Viertel der Befragten Mitte März auf 31 Prozent am 7. und 8. April. „Journalisten haben eine einmalige Chance, ihren Berufsstand in den Augen aller als sinnvolle Tätigkeit im Dienst der Gesellschaft konkret unter Beweis zu stellen. Es gibt derzeit niemanden, der auf zuverlässige Information verzichten könnte.“ resümiert die Meinungsforscherin.

Die Medien-Nutzer wissen laut Umfrage über die Glaubwürdigkeit und Nutzung bescheid erklärt Fronaschütz: „Die Nutzerbindung steht in einem direkten Zusammenhang mit diesen Kriterien und weist eine weite Spreizung auf: sehr hohe Werte bei ORF und Servus TV, ebenso beim Regionalradio und Ö1. Bei den Zeitungen erreichen ebenfalls die Qualitätszeitungen hohe Werte, die Gratistitel liegen hingegen auf einem Niveau mit Social Media Plattformen.“

Diese Medien genießen das größte Vertrauen

„Das Vertrauen der Bevölkerung in die eingeführten, vertrauenswürdigen Medientitel verfestigt sich weiter, die Österreicher wissen, wo sie in der Krise zuverlässige Informationen finden. Alle abgefragten Printtitel weisen Zuwächse aus, diese kommen in erster Linie aus der digitalen Nutzung.Der Digitalisierungstrend setzt sich auch beim Fernsehen fort: bei sämtlichen TV Sendern war der Anteil der online Nutzung höher als vor drei Wochen.“ fasst Fronaschütz die Entwicklung der drei Wochen zusammen.

Die Bedeutung der Zeitungstitel für die Informationsbeschaffung in der Krise hat noch weiter zugelegt (von 54 auf 64 Prozent der Befragten), im Gegenzug verzeichnen Social Media (von 41 auf 28 Prozent) und Online-Newsportale (von 27 auf 17 Prozent) einen deutlichsten Rückgang in der Nutzung. Der ORF bleibt auf hohem Niveau die am meisten genannte Nachrichtenquelle der Österreicher.

Die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte steigt – außer beim ORF

Die Nutzer sind, je nach Titel, in unterschiedlichem Ausmaß bereit, für Online-Angebote ihres Nachrichtenmediums auch zu bezahlen: am deutlichsten die Leser des „Standard” (36 Prozent), fast gleichauf als Regionalmedium die „Salzburger Nachrichten” mit 35 Prozent. Am Ende dieser Liste rangiert „Heute” mit elf Prozent. Befragt nach der Akzeptanz der GIS-Gebühr, finden 34 Prozent diese in Ordnung, 56 Prozent würden sie lieber abschaffen. Die vehementesten Gegner der Gebühr finden sich unter den FPÖ-Anhängern und jenen, die meinen, dass eine fremde Macht hinter der Coronakrise stecke (das sind 26 Prozent der Bevölkerung mit einem Schwerpunkt in den jüngeren Gruppen). Noch weniger würden für ORF-Onlinedienste bezahlen: 65 Prozent lehnen das ab. „Die Verschwörungstheoretiker konzedieren dem ORF zwar weniger Glaubwürdigkeit und zeigen geringe Akzeptanz für Gebühren, das hält sie aber nicht davon ab, ihn intensiv zu nutzen“, kommentiert Fronaschütz.

Beitrag teilen: