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Frau will Hologramm-Mann heiraten

Albert Sachs
Albert Sachs
Eine Spanierin schafft sich mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ihren Traumpartner und will diesen sogar vor den Traualtar führen.

Alicia Framis tut es. Die in Amsterdam lebende Spanierin wird als erste Frau der Welt ein Hologramm heiraten. „Es handelt sich um eine romantische Beziehung zwischen einem Menschen und einer künstlichen Intelligenz“, hält Framis dazu auf ihrer Website fest. Der virtuelle Partner erfülle alle ihre emotionalen Bedürfnisse, so die Braut, und helfe ihr, die „Einsamkeit“ zu bewältigen. Dazu präsentiert Framis eine Reihe von Fotos, die sie angeschmiegt an ihren künftigen Hologramm-Ehemann oder händchenhaltend mit ihm, aber auch beim gemeinsamen Abendessen und Geschirrabwaschen mit dem Computer-Gatten zeigen. Im Sommer dieses Jahres soll geheiratet werden.

Das Beruhigende an dieser ungewöhnlichen Beziehung und seiner fotografischen Dokumentation ist, dass es sich bei Alicia Framis um eine Künstlerin handelt und die ganze Inszenierung als eine Kunstaktion gesehen werden muss. Die ungewöhnliche Ehe ist unter dem Titel „Hybrid couple“ auf der Website unter Framis´ Werkverzeichnis aufgelistet. In der Unterzeile heißt es dort: „Performances with AI: married to a Hologram, the beginning of a hybrid couples. “

Das Erschreckende daran ist nicht nur, dass Framis zwei Phänomene unserer Zeit kombiniert – ein technisches und ein soziales: den technischen Fortschritt und die zunehmende Vereinsamung junger Menschen in unseren Städten und möglicherweise auch Dörfern. Nicht weniger erschreckend, der Hologramm-Mann soll die Charakterzüge früherer PartnerInnen der Künstlerin vereinen, die KI entsprechend mit deren Daten trainiert worden sein. Natürlich hat die „KI-Einheit aus den Profilen von Bekannten“ und „interaktive holografische Skulptur“ auch einen Namen: AiLex.

„Obwohl wir wissen, dass Roboter und Menschen bald Sexualpartner werden“, schreibt Alicia Framis auf ihrer Website, dass sie glaube, „der nächste wichtige Schritt besteht darin, Menschen und künstliche Intelligenz miteinander zu verbinden.“ Sie habe ihren künftigen Gatten als Hologramm geschaffen, denn diese seien „den Menschen emotional näher als Roboter“.

„Es entsteht eine neue Form der Liebe, ob wir es wollen oder nicht“, so Framis in ihrem Pressestatement mit der Hochzeitsankündigung. „In dieser neuen Generation werden Menschen Beziehungen mit Hologrammen, Avataren, Robotern und vielem mehr eingehen und diese auch heiraten. So wie wir mit Duolingo neue Sprachen üben, werden wir auch die Beziehungen zu diesen neuen Wesen ausprobieren.“ Denn: „Liebe und Sex mit Robotern und Hologrammen sind eine unvermeidliche Realität.“

Die Spanierin setzt sich in ihrer Kunst seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit den Themen Einsamkeit und Intimität sowie verschiedenen Formen des Zusammenlebens auseinander. Schon in den 1990er-Jahren hatte Framis eine Schaufensterpuppe zu ihrer dauerhaften Begleiterin erkoren. Eine Freundin der Künstlerin wiederum leidet seit dem Verlust ihres Ehemannes an extremer innerer Leere. Mit ihren Kunstaktionen will Framis daher nicht nur erforschen, „wie es ist, einen Partner zu haben, der für sie da ist“, sondern auch, wie künstlich geschaffene PartnerInnen helfen können, Einsamkeit und sogar Traumata zu überwinden. KI schaffe aber auch für Menschen, die wegen einer Krankheit oder Behinderung, durch soziale Ausgrenzung oder andere Stigmata von Beziehungen ausgeschlossen sind, die Möglichkeit, eine(n) PartnerIn zu finden.

Die Hochzeit zwischen der spanisch-niederländischen Künstlerin und ihrem zukünftigen Gatten aus dem Computer ist für den Sommer dieses Jahres angesetzt. Gefeiert wird auf der Dachterrasse des spektakulären neuen Museums Depot Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Mit Gästen aus Fleisch und Blut. Ob und wenn ja, wieviel Hologramm-Avatare zu dem „wunderbaren neuen Hochzeitsritual“ eingeladen wurden, verlautete die Künstlerin nicht.

Selbstzitate gehören zu jenen journalistischen Stilmitteln, die es zu vermeiden gilt. Dennoch sei hier erwähnt, dass an dieser Stelle schon einmal über „Menschen und ihre virtuelle Liebe“ geschrieben wurde.

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