Joachim Feher, CEO RMS Austria
© Sabine Hauswirth

Joachim Feher, Präsident des Media Server und CEO des RMS

„Digitalisierung beschert uns als Radio-Vermarkter eine spannende Situation.“

„Mehr als 45 Prozent der ÖsterreicherInnen hören Radio heute über das Internet“, berichtet Joachim Feher von der RMS. Zudem skizziert er den Wandel des Radios vom Morgen- und Auto-Medium zum Begleiter durch den ganzen Tag und alle Lebenslagen.

Beitrag teilen:

Herr Feher, wie geht es einem Vermarktungsunternehmen von Radiosendern in der digitalisierten Medienwelt?

Joachim Feher: Sehr gut, denn Radio erweist sich als das Glückskind der Digitalisierung. Radio profitiert von der Entwicklung des Digitalmarktes. Dank der Digitalisierung hat sich Radio zu einem Medium entwickelt, das heute von den Menschen an jedem Standort und zu jeder Zeit konsumiert werden kann. Dazu musste sich das Radio nicht verändern, denn ein Radioprogramm ist neben den klassischen Geräten und via Internet heute über jedes Smartphone zu empfangen. Früher gab es zwei klassische Situationen zum Radiohören, am Morgen zu Hause und beim Autofahren, heute werden Radioprogramm über den ganzen Tag verteilt gehört. Die Anzahl der Touchpoints, an denen die KonsumentInnen mit einem Radioprogramm in Kontakt kommen können, hat sich dank der Digitalisierung um eine Vielfaches erhöht. Radio wird heute noch viel mehr immer und überall gehört, und das ist für die Vermarktung besonders wichtig.

Seit wann sehen Sie diese Entwicklung und wo gibt es Unterschiede in der Art und Weise wie Radio konsumiert wird?

Feher: Wir sehen seit zehn bis 15 Jahren, dass die Menschen ihre Radiosender nicht nur klassisch über UKW, sondern auch über das Internet bzw. digital über Mobile konsumieren. Während HörerInnen unter 30 Jahren eher über ihr Smartphone oder Internet Radio hören, tut dies die Zielgruppe über 60 Jahre noch immer vorwiegend über UKW. Digital wurde und wird für Radio als Verbreitungskanal immer wichtiger, mehr als 45 Prozent der ÖsterreicherInnen hören Radio heute über das Internet. Die Digitalisierung bietet jedem Radiosender die Chance, immer und überall gehört werden zu können, sowie den HörerInnen mehr und mehr Angebote zu bieten. Im Portfolio der RMS sind beispielsweise KroneHit oder Radio Arabella aktuell mit jeweils rund 20 Channels präsent. Wir sollten aber auch nicht auf DAB+ vergessen, dass den ÖsterreicherInnen seit 2019 eine neue wachsende Sendervielfalt beschert.

Heißt das auch, dass KonsumentInnen von den Radiosendern immer mehr nichtlineares Programm angeboten bekommen?

Feher: Genau so ist es, unter Online-Audio sind heute zahlreiche Radio- und Musikangebote im Internet zusammengefasst, dazu zählen Livestreams und Music on Demand ebenso wie sogenannte Audio-Snippets und Podcasts. Es gibt bei den Verbreitungskanälen und Touchpoints heute einfach wesentlich mehr Angebot als noch vor wenigen Jahren. Die RMS vermarktet in Österreich aktuell 1.500 verschiedene Web-Channels. Obwohl nicht einmal zehn Prozent der Sender, die wir vermarkten aus Österreich stammen, entfällt aber rund 70 Prozent der Nutzung auf Angebote österreichischer Radiosender. Radio ist immer noch etwas zutiefst Regionales.

Podcasts erleben eine enorme Renaissance, gewinnt diese mediale Form auch aus Sicht der Vermarkter an Bedeutung?

Feher: Wir bieten bei Podcasts einerseits ein vielfältiges internationales Angebot und haben auch zahlreiche heimische Podcasts im Angebot. In der Vermarktung konzentrieren wir uns auf skalierbare Adserver-basierte Werbeformate.

Macht diese gesamte Angebotsvielfalt die Situation für den Vermarkter nicht problematisch, da die Zielgruppen immer schwieriger zu fassen sind?

Feher: Nein, für den Vermarkter ist es eine spannende Situation, weil es dank der Digitalisierung möglich ist, die HörerInnen in einer ganz bestimmten Situation, in einer ganz bestimmten Stimmung zu erreichen. Über das Targeting mit der exklusiven RMS DMP können wir spezifischen Zielgruppen gezielt ein auf sie zugeschnittenes Produkt anbieten. In diesem Segment erzielen wir aktuell saftige zweistellige Zuwachsraten pro Jahr.

Gibt es 2022 neue Produkte bei der RMS, auf die sich die Hörerinnen und Hörer bzw. die Werbekunden freuen dürfen?

Feher: Neu bieten wir seit Jänner 2022 drei unterschiedliche Musik-Selections an: Rock, Schlager und einen Mix unter dem Titel „Go Easy“. Das Angebot und dessen Vermarktung gehen weg von soziodemographischen Zielgruppen hin zu Stimmungs-Communities. Denn ein und dieselbe Person befindet sich zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen in völlig unterschiedlichen Stimmungssituationen und hört auch unterschiedliche Musikstile. Beim Radiohören alleine im Auto ist die Stimmung eine ganz andere als am Abend vor dem Ausgehen – und mit den RMS Music-Selections ist man mitten im Herz. Übrigens sind unsere Music-Selections hybrid und schöpfen ihre maximale Kraft aus Online Audio und UKW/DAB+.

Beitrag teilen: