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Die Totengräber von LinkedIn

Albert Sachs
Albert Sachs
Private Postings haben auf LinkedIn nichts verloren. Langfristig gefährden sie die Existenz der Plattform.

Noch halten sich Hunde und Katzen vom Karriere-Netzwerk LinkedIn fern. Auch wenn mitunter manchmal die Vereinbarkeit von Beruf und Hunden oder Hunde im Büro thematisiert werden. Aber auf niedliche Katzen- und Hundefotos verzichtet die Community weitgehend. Noch. Denn immer häufiger sind auf der Plattform auch Postings, Fotos, Sequenzen und Videos aus dem Privatleben der UserInnen zu finden. Die haben dort allerdings nichts verloren. Überhaupt nichts.

LinkedIn, vor mehr als zwanzig Jahren gegründet, kratzt mittlerweile an der Schallmauer von einer Milliarde UserInnen weltweit. In den gut zwei Jahrzehnten seiner Existenz hat das Business-Netzwerk seinen Charakter deutlich verändert, denn ursprünglich war es als eine Art elektronische Adresssammlung, ein Kompendium von „Visitenkarten“ angelegt worden, das zum Nachschlagen oder dem Austausch von Business-Daten diente. Auf LinkedIn sollten Menschen einst einen Job finden oder anbieten. Mehr war da nicht. Längst hat sich diese „Job-Datenbank“ zu einer Plattform mit unterschiedlichsten Funktionen und Inhalten gewandelt. Doch der Business-Charakter von LinkedIn blieb über all die Jahre hinweg erhalten.

Allerdings verstehen nicht alle UserInnen diesen berufsbezogenen Charakter, sie halten sich in diesem „professionellen“ Umfeld nicht mit persönlichen Postings, mit Einblicken in ihr Privatleben nicht zurück.

Es liegt in der Natur der Sache, dass mit der zunehmenden Verbreitung von LinkedIn, mit der steigenden Zahl der persönlichen Kontakte und Follower auch die inhaltliche Homogenität der einzelnen Beiträge, die einem/einer UserIn angezeigt werden, ab- und im Gegenzug die Dichte beliebiger, inhaltsleerer Informationen zunimmt. Es drängt sich aber auch der Eindruck auf, dass sich der Charakter der LinkedIn-Postings auch mit der zunehmenden Lebensdauer der Plattform ändert.

Auch wenn mitunter Forderungen auftauchen, LinkedIn müsse emotionaler und privater werden, haben dort Szenen aus dem Familienleben und privaten Umfeld nichts verloren. Auf Geburtsanzeigen zum eigenen Nachwuchs, auf die ersten Schritte des Kindes sollte dort ebenso verzichtet werden, wie auf Einblicke in den eigenen Haushalt, die häuslichen und externen Essgewohnheiten, die neue Entspannungszone am blau glitzernden Pool und die jüngsten Urlaubserlebnisse. Und seien die Sonnenuntergänge noch so spektakulär.

Schon die endlose Reihe an Glückwünschen zu irgendwelchen Berufsabschlüssen, Job-Wechseln und gelungenen Referaten und anderen öffentlichen Auftritten ermüdet. Daran ist allerdings auch LinkedIn selbst schuld, denn mit den zahlreichen Erinnerungen und Hinweisen auf persönliche Ereignisse fördert es diese lähmenden und nichtssagenden Glückwunsch-Orgien sogar selbst. Außerdem sind gerade zu diesen Punkten die Grenzen fließend. Was ist noch privat und was schon beruflich?

Natürlich wollen wir alle, auch auf LinkedIn, der Welt mitteilen, was wir geleistet, was wir geschaffen haben, wie wir zu bestimmten Dingen und Themen stehen. So ehrlich muss jeder, jede UserIn sein. Auch LinkedIn hat keine andere Funktion, als uns vor der Welt da draußen zu präsentieren zu können, unsere Meinung kundzutun, unser Wissen aufzuzeigen und damit unseren Stellenwert zu unterstreichen.

Aber eben nicht nur. LinkedIn erweist sich auch als eine wunderbare Plattform zum Wissens- und Meinungsaustausch, als Informations- und Inspirationsquelle. Als ein schier unerschöpflicher Quell, die Welt und die von ihren BewohnerInnen hervorgebrachten Innovationen zu entdecken.

Und ja, LinkedIn ist ein Ort zum beruflichen Netzwerken. Es mag vielfach auch zu einer Plattform für die berufliche Selbstdarstellung geworden sein. Eine Stellung eingenommen haben, die früher Küchenparlamenten, berufliche Freizeitrunden, Messen und ähnlichen Veranstaltungen zukam.

Fotos mit der Familie oder Freunden, Selfies aus dem Urlaub, Meldungen zu Kindern, Essen, Wohnsituation, dem neuen Auto und vielen anderen Themen haben auf LinkedIn nichts verloren. Trotzdem wird LinkedIn nie ganz ohne Klatsch und Tratsch auskommen. Es sollte sich nur jede Userin, jeder User bewusst sein, dass sie und er sich mit privaten Posts in die Reihe jener einfügt, deren Aktivitäten langfristig den Wert einer Plattform mindern, ihr Image schädigen und letztendlich zu deren Verfall beitragen.

Wenn dann tatsächlich auch auf LinkedIn Katzenvideos auftauchen sollten, hat auch ein Business-Netzwerk seinen Zenit überschritten, seine ursprüngliche Funktion verloren.

LinkedIn ist eine Business-Plattform. Beinahe konkurrenzlos. Ein geschäftliches Netzwerk. Für alles andere sind Facebook, TikTok und Co. zuständig. Das sollte auch künftig so bleiben.

Lassen wir die Katzen also weiter in ihren Kistchen schlummern.

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