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Die aktuelle Debatte um Online-Bewertungen hatscht

Albert Sachs
Albert Sachs
Österreichs Bundeskanzler und die Regierungspartei ÖVP wollen plötzlich die Anonymität hinter Online-Bewertungen und -Sternen abschaffen. Warum?

Es ist nicht angenehm, für eigene Fehler und Versäumnisse, gar Missstände kritisiert zu werden. Noch weniger erbaulich ist es, für etwas Rüge auszufassen, was nicht stattgefunden hat und wo es keinen Schuldigen gibt. Liegt die Quelle für die Kritik im Trüben, steigert das nicht gerade das Verständnis für eine negative Beurteilung. Allerdings fällt es auch schwer, als Außenstehender tatsächlich über Versäumnisse und Fehlverhalten, über Schuld und Sühne sowie daraus resultierenden wirtschaftlichen Schaden und Nachteile zu entscheiden. Das gilt für das reale Leben wie für die Onlinewelt.

Insgesamt liegt darin auch ein bisschen die Crux von Online-Reviews. Sei es in Form von schriftlichen Bewertungen, sei es in Form von Sternen, Punkten oder irgendwelchen anderen Symbolen. Bewertungen, Urteile, Kritik kommen vielfach von anonymer Seite. Da fällt es schwer, auf Kritik zu reagieren, die Kritiker selbst zu kritisieren. Die Kritiker müssten zu ihrem Urteil stehen. Gegebenenfalls sich selbst der Kritik und sogar möglichen Sanktionen stellen. Doch in den unendlichen Tiefen der digitalen Universen verliert sich die Spur jener, die den Finger in Wunden legen nur allzu rasch.

Viele Portale und Plattformen haben ihre eigenen Konzepte und Strategien entwickelt, um dem Missbrauch durch Urteile und Bewertungen zu begegnen. Viele, aber eben nicht alle. Zudem erweisen sich derartige Filter als nicht 100-prozentig sicher. Eine absolute Sicherheit wird es wohl auch nie geben.

Dennoch überrascht, die aktuelle Diskussion um Klarnamen und die Deklarationspflicht hinter Online-Bewertungen, die aktuell in Österreich ausgebrochen ist. Ohne akute vorhergehende öffentliche Debatte und gar ohne erkennbaren Anlassfall hatte Bundeskanzler Karl Nehammer das Thema in seinen „Österreichplan“ aufgenommen. Das wäre weiter nicht erwähnenswert, würde die Debatte seither nicht (einseitig) mit erstaunlicher Vehemenz und politischer Leidenschaft seitens der Kanzler-Partei geführt.

Es ist wirklich überraschend, mit welcher Intensität die ÖVP plötzlich gegen Fake-Bewertungen und für die Klarnamenpflicht ins Feld zieht. Neben Kanzler Nehammer rückten Generalsekretär Christian Stocker und die beiden Staatssekretäre Florian Tursky (Digitalisierung) und Susanne Kraus-Winkler (Tourismus) aus. Dazu gesellten sich diverse NationalrätInnen und andere parteinahe FunktionärInnen, die sich an prominenter Stelle zu Wort meldeten. Das ist kein kleiner Erkundungstrupp, sondern die Kavallerie.

Etwas eigenwillig fiel allerdings der Argumentationsstrang einiger Beiträge aus, denn mitunter wurde die „aktuelle Debatte in Italien und Österreich“ als Beleg für die aktuelle Dringlichkeit des Anliegens und eines entsprechenden Gesetzes angeführt.

Damit wird aber auch die Anstoß- und Zielrichtung klar. Die italienische Tourismusministerin Daniela Santanchè war um den Jahreswechsel lautstark gegen anonyme Online-Beurteilungen aufgetreten. Derartige Fake-Bewertungen und anonymisierte Beiträge würden für Gastronomie und Hotellerie vermehrt zur Herausforderung, so Italiens oberste Touristikerin.

Der Kanzler-Vorstoß zielt in erster Linie vermutlich auch in Richtung der heimischen Tourismuswirtschaft, der Hotellerie und Gastronomie. Nicht zuletzt kam von dieser Seite auch lauter Beifall.

Auch wenn die meisten Statements allgemeiner gehalten waren, löst ein Verbot von anonymen Bewertungen für Hotels, Restaurants und Tourismusbetriebe, somit für eine einzelne Branche, das Problem nicht. Hingegen fehlte in den meisten Stellungnahmen der Blick aufs Ganze. Beispielsweise der Umgang mit und die Entschädigung von einzelnen betroffenen Opfern, von Menschen. Außerdem trägt ein österreichischer Alleingang oder ein Paarlauf mit Italien nicht wirklich zur Beseitigung des Problems bei. In der grenzenlosen Digitalwelt wäre zumindest ein gesamteuropäisches, wenn nicht ein darüber hinaus reichendes Gesetz sinnvoll.

Touristikern sei ins Gästebuch geschrieben, wer sich an Gesetze und Regeln hält, wer seine Gäste aufmerksam und zufriedenstellend serviciert, ihnen die versprochenen Standards und Qualitäten bietet, braucht deren Urteil nicht fürchten. Zudem werden auch jene „vier Wörter“ in einer Online-Bewertung, die laut Santanchè einem Betrieb die Existenz kosten könnten, ein gesundes, gut geführtes Unternehmen nicht wirklich gefährden.

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