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Ausgerechnet Heilbronn

Albert Sachs
Albert Sachs
Warum sich Österreich von der beschaulichen Kreisstadt in Baden-Württemberg in Sachen Künstliche Intelligenz einiges abschauen könnte.

Ach, Käthchen, was musst du in deiner gemütlichen Wein- und Handelsstadt heutzutage alles erdulden. KI-Zentrum statt Reichsstadt. Verstehst du das noch? Ganz unschuldig und naiv hat dich der große Literat Heinrich von Kleist in den Jahren 1807/1808 in seinem Ritterschauspiel nach Heilbronn gesetzt. Allerdings erlebtest du die Uraufführung dann im Theater an der Wien und nicht in deiner angestammten Heimat.

Ach, Käthchen, wärst du doch in Wien geblieben. Dann könnte die Stadt, könnte Österreich vielleicht heute mit dir darüber jubeln, was gerade in Heilbronn entsteht. Der Innovations Park Artificial Intelligence (Innovationspark Künstliche Intelligenz, IPAI). Ein ganzes Stadtquartier für das vermutlich wichtigste technische Entwicklungsfeld der Gegenwart. Auf 23 Hektar entsteht in Heilbronn spektakuläre Zukunft, ein europaweit einzigartiger Hotspot für KI. Schon allein der Entwurf für die architektonische Umsetzung (Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam) sorgt für Aufsehen.

Ausgerechnet eine Stadt mit knapp mehr als 130.000 Einwohnern wagt sich an ein solches Projekt für Forschung und Entwicklung, mit Labors und Start-ups, mit Wohnungen und Kindergärten, mit Schulen und Universitätsinstituten, mit Kommunikationszentren und Lokalen, mit Geschäften und Dienstleistern, mit Freizeit- und Erholungseinrichtungen zu. Auch wenn hinter dem KI-Campus potente Partner wie die Schwarz Gruppe (Lidl), die Dieter Schwarz Stiftung und Porsche sowie die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die Hochschule Heilbronn, die Technische Universität München (TUM) und das Forschungs- und Innovationszentrum KODIS des Fraunhofer IAO stehen. Der Mut und die Weitsicht der Initiatoren sind unabhängig davon zu würdigen. Ein solches Innovations-Megaprojekt würde jeder Großstadt zur Ehre gereichen.

Finanzkräftige Investoren, genügend Partner – ob aus Wirtschaft oder Wissenschaft – hätten sich sicherlich auch in Österreich gefunden. Aber eine solche Chance wurde nicht genützt. Stattdessen wird bei uns jeder neu verlegte Meter Glasfaserkabel bejubelt.

In Heilbronn ist der Baustart für 2024 geplant, ab 2027 soll Europas größter Innovationspark sukzessive in Betrieb gehen. Mindestes 5.000 attraktive Arbeitsplätze entstehen. Das dann klimaneutral arbeitende Stadtquartier „Steinäcker“ soll spätestens gegen Ende dieses Jahrzehnts als Anziehungspunkt für die internationale KI-Elite fungieren.

Ein hoher Anspruch für eine kleine, bestenfalls mittelgroße Stadt. Salzburg mit rund 156.000 und Linz mit etwas mehr als 212.000 Einwohnern sind deutlich größer als die Stadt am Neckar. Doch schon heute ist davon die Rede, dass das Heilbronner Innovationsquartier einst mit Technologiezentren wie dem Silicon Valley und dem chinesischen Shenzhen konkurrieren wird. Wenn das geplante KI-Ökosystems hoffentlich auch tatsächlich in der geplanten Form und Dimension umgesetzt wird.

Ach, Käthchen, Innovationsfreude und KI-Förderung hierzulande sind leider ein Trauerspiel – mit täglich wiederholten, freudlosen Aufführungen.

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